Alumni-Porträt – Haryono Lim: Von Clausthal an die Spitze von BASF Greater China – Wie ein Absolvent der TU Clausthal zu einer Führungspersönlichkeit der globalen Chemieindustrie wurde
Am 1. Juli 2026 übernimmt Dipl.-Ing. Haryono Lim eine der wichtigsten Führungspositionen des weltweit größten Chemieunternehmens: Der Absolvent der TU Clausthal wird Chairman und President von BASF Greater China. Damit verantwortet er künftig das Geschäft des Konzerns in einem der bedeutendsten Chemiemärkte der Welt.
Für den in Indonesien geborenen Ingenieur schließt sich damit ein bemerkenswerter Kreis. Vor mehr als drei Jahrzehnten kam er als junger Student nach Deutschland, um in Clausthal Chemische Verfahrenstechnik zu studieren. Heute zählt er zu den international erfahrensten Führungskräften von BASF und prägt die Entwicklung des Unternehmens in Asien maßgeblich mit.
Vom indonesisch-chinesischen Jugendlichen zum Ingenieur in Deutschland, vom Studenten der Chemischen Verfahrenstechnik in Clausthal an die Spitze von BASF Greater China, von Ludwigshafen über Singapur, Osaka, Nanjing, Zhanjiang bis nach Shanghai: In nahezu drei Jahrzehnten hat Haryono Lim eindrucksvoll gezeigt, wie sich ein international ausgebildeter Ingenieur zu einer Führungspersönlichkeit der globalen Chemieindustrie entwickelt hat.
Sein Werdegang steht nicht nur für persönlichen Einsatz und internationale Offenheit, sondern spiegelt auch den Anspruch der TU Clausthal wider, praxisnah, international und zukunftsorientiert auszubilden.
Auf einer wichtigen Bühne der globalen Chemieindustrie
Mit seiner Berufung zum Chairman und President von BASF Greater China erreicht Haryono Lim einen weiteren Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn. Zugleich unterstreicht die Entscheidung die langfristige strategische Bedeutung des chinesischen Marktes für BASF.
China zählt heute zum größten Chemiemarkt der Welt. Die Region Greater China nimmt innerhalb der globalen BASF-Strategie eine Schlüsselrolle ein. Als einer der künftig wichtigsten Verantwortlichen für das BASF-Geschäft in China wird Haryono Lim die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens im chinesischen Markt, Innovationskooperationen sowie die nachhaltige Transformation vorantreiben.
Für einen Ingenieur, dessen akademischer Weg in Clausthal geprägt wurde, ist diese Aufgabe nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine besondere Verantwortung.
Studium in Clausthal: Eine Ingenieurausbildung als Fundament
Haryono Lim wurde im Oktober 1972 in Indonesien geboren; seine familiären Wurzeln liegen in der chinesischen Provinz Guangdong. Im Alter von 18 Jahren kam er zum Studium nach Deutschland. Nach dem Erwerb der deutschen Sprache nahm er 1993 an der TU Clausthal das Studium der Chemischen Verfahrenstechnik auf und schloss es 1998 mit hervorragenden Leistungen als Diplom-Ingenieur ab.
Die Studienzeit in Clausthal legte ein wichtiges Fundament für seine spätere Karriere. Die Universität vermittelte ihm nicht nur eine fundierte ingenieurwissenschaftliche Ausbildung, sondern bot ihm auch ein internationales Umfeld, in dem er eigenständiges Denken, analytische Methoden und die Fähigkeit zur Lösung komplexer Probleme weiterentwickeln konnte.
Während seines Studiums wurde Haryono Lim aufgrund seiner herausragenden Leistungen mit einem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, DAAD, ausgezeichnet. Zudem engagierte er sich als Vorsitzender des indonesischen Studierendenvereins. In Clausthal der 1990er-Jahre lebten und lernten Studierende aus zahlreichen Ländern gemeinsam. In dieser Rolle organisierte Lim internationale studentische Aktivitäten und entwickelte früh seine Fähigkeiten in interkultureller Kommunikation und Teamarbeit.
Die Arbeit in einem internationalen Umfeld schärfte früh sein Verständnis für unterschiedliche kulturelle Perspektiven. Fähigkeiten, die später für die Führung internationaler Teams von zentraler Bedeutung wurden.
„Die TU Clausthal ist keine große Universität, aber sie bietet ihren Studierenden viele praktische Möglichkeiten und Raum für eigenständiges Denken“, sagte Haryono Lim einmal über seine Alma Mater.
Der Weg zu BASF: Vom Ingenieur zur internationalen Führungskraft
Die Verbindung zwischen Haryono Lim und BASF begann bereits während seiner Studienzeit. Von Dezember 1997 bis Juni 1998 verfasste er am BASF-Stammsitz in Ludwigshafen seine Diplomarbeit zu einem unternehmensbezogenen Thema. Nach seinem Abschluss an der TU Clausthal trat er 1998 offiziell in das Unternehmen ein und begann seine Laufbahn im Bereich Technical Service.
In den ersten Jahren beschäftigte sich Lim vor allem mit technischen Anwendungen von Rohstoffen für Klebstoffe, insbesondere in den Bereichen Etiketten, Klebebänder und Hochgeschwindigkeitsbeschichtung. Für einen Absolventen der Chemischen Verfahrenstechnik war dies eine prägende Phase: Er lernte Produktionsprozesse, Produktanwendungen und Kundenanforderungen aus nächster Nähe kennen. Dieses technische Verständnis wurde später zu einer wichtigen Grundlage für sein Markt- und Geschäftsverständnis.
Im weiteren Verlauf entwickelte sich seine Laufbahn zunehmend von technischen Funktionen hin zu Aufgaben im regionalen Management in Asien-Pazifik. Er übernahm Positionen in Singapur und Japan und war unter anderem in den Bereichen Technical Service, Product Management, Strategic Communications, Sales & Marketing sowie Petrochemicals tätig.
Die Erfahrungen in unterschiedlichen Ländern, Funktionen und Geschäftsbereichen ermöglichten ihm Schritt für Schritt den Übergang vom Ingenieur zur internationalen Führungskraft. Dabei ging es nicht allein um einen klassischen beruflichen Aufstieg, sondern um eine kontinuierliche Erweiterung des Blickfelds: vom Verständnis von Produkten und Technologien hin zum Verständnis von Kunden und Märkten; von der Verantwortung für einzelne Geschäftsbereiche hin zur Koordination regionaler Teams; von der Lösung technischer Fragestellungen hin zur Mitgestaltung von Unternehmensstrategie und Organisation.
Verwurzelt in China: maßgebliche Mitgestaltung des BASF-Verbundstandorts Zhanjiang
Wenn Deutschland und Südostasien Haryono Lim eine solide technische Grundlage und ein regionales Managementverständnis vermittelten, so wurde China zu einer besonders wichtigen Bühne seiner beruflichen Praxis.
Von 2015 bis 2017 war Lim General Manager der BASF-YPC Company Limited in Nanjing, einem großen Gemeinschaftsunternehmen von BASF und Sinopec. Anschließend wechselte er nach Shanghai und wirkte an der frühen Planung eines neuen integrierten BASF-Produktionsstandorts in China mit.
Seit 2018 ist Haryono Lim in Zhanjiang in der Provinz Guangdong tätig und intensiv an der Planung, dem Bau sowie der Vorbereitung des Betriebs des BASF-Verbundstandorts Zhanjiang beteiligt. Von Beginn an trug er als Projektleiter Verantwortung für dieses Vorhaben. Mit dem BASF-Verbundstandort in Zhanjiang entstand eines der größten Industrieprojekte der jüngeren chinesischen Wirtschaftsgeschichte. In Spitzenzeiten arbeiteten rund 35.000 Menschen gleichzeitig auf der Baustelle. Die Koordination eines Projekts dieser Größenordnung stellte höchste Anforderungen an Engineering, Projektmanagement, Logistik, Sicherheit und internationale Zusammenarbeit.
Für Haryono Lim bedeutete dies weit mehr als die technische Umsetzung einer Großanlage. Gefordert waren strategisches Denken, interkulturelle Führungskompetenz und die Fähigkeit, unterschiedlichste Interessen und Fachdisziplinen zu einem gemeinsamen Ziel zusammenzuführen.
Der Standort zählt neben Ludwigshafen in Deutschland und Antwerpen in Belgien zu den bedeutenden Verbundstandorten von BASF. Für das Projekt hat BASF fast zehn Milliarden Euro investiert; es gilt als die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. Zugleich zählt das Vorhaben zu den bedeutenden vollständig ausländisch investierten Petrochemieprojekten seit Beginn der chinesischen Reform- und Öffnungspolitik.
Vor dem Hintergrund globaler Lieferkettenveränderungen und einer beschleunigten grünen Transformation erfüllt der Standort Zhanjiang nicht nur die Aufgabe, den chinesischen Markt zu bedienen. Er gilt auch als wichtiger strategischer Pfeiler für die künftige Entwicklung von BASF in der Region Asien-Pazifik.
Ein zentrales Element des neuen Verbundstandorts ist – ähnlich wie in Ludwigshafen – ein Steamcracker, also eine Großanlage zur Herstellung von Grundchemikalien, die anschließend in einem weit verzweigten Produktionsnetz weiterverarbeitet werden. Die einzelnen Anlagen, Prozesse und Schnittstellen eines solchen Standorts aufeinander abzustimmen, war eine Mammutaufgabe.
Für Haryono Lim war das Projekt in Zhanjiang weit mehr als eine große ingenieurtechnische Bauaufgabe. Es war zugleich eine umfassende Managementpraxis. Der Aufbau eines großen Chemieverbundstandorts erfordert die Abstimmung von Engineering, Projektmanagement, Lieferketten, Sicherheit, Umweltmanagement und interkultureller Teamarbeit. Teams aus unterschiedlichen Fachrichtungen, Ländern und Regionen müssen auf ein gemeinsames Ziel hin zusammenarbeiten.
Über seine Rolle beim Aufbau dieses neuen Großstandorts sagte Lim bescheiden: „Es war mir eine Ehre.“ Als einer der Projektverantwortlichen war er über Jahre hinweg in die Koordination von Ressourcen, den Aufbau von Teams und das Projektmanagement eingebunden. Er begleitete das Vorhaben von der Planung und Auslegung bis hin zur Bauphase und zur Vorbereitung des Betriebs.
Auch in der Endphase des Projekts blieb Lim zurückhaltend und realistisch. Mit Blick auf die letzten Schritte verglich er die Situation einmal mit einem Fußballspiel: „Man sollte einen Sieg nie vor dem Schlusspfiff feiern.“ Der Satz steht sinnbildlich für eine Haltung, die große Industrieprojekte prägt: sorgfältig planen, aufmerksam bleiben und Verantwortung bis zum letzten Schritt übernehmen.
Die dabei sichtbaren Fähigkeiten in Engineering Management, interkultureller Zusammenarbeit und systemischem Denken zeigen zugleich, welche Bedeutung eine solide Ingenieurausbildung für industrielle Großprojekte besitzt. Diese Erfahrung wurde für ihn zu einer wichtigen Grundlage, um den chinesischen Markt, industrielle Kooperationen und die Asien-Pazifik-Strategie von BASF noch tiefer zu verstehen.
Aufnahme in den „Clausthaler Köpfen“
Im Jahr 2025 wurde Haryono Lim in den „Clausthaler Köpfen“ aufgenommen. Mit Blick auf seine Alma Mater betonte er, dass die TU Clausthal ihm nicht nur eine solide fachliche Ausbildung vermittelt habe. Ebenso wichtig sei die Denkweise gewesen, Probleme präzise zu analysieren und systematisch zu lösen. Auch viele Jahre später prägten diese in Clausthal erworbenen Fähigkeiten seine berufliche Entwicklung und seine Managementpraxis.
Seit Januar 2024 trägt Haryono Lim als President Mega Projects Asia bei BASF dazu bei, die industrielle Verbindung zwischen Deutschland und Asien weiter zu stärken. Wie er selbst formulierte, sei er „in Deutschland ausgebildet und in Asien verwurzelt“. Diese doppelte Perspektive ist für ihn nicht nur ein persönlicher Vorteil, sondern auch eine Verantwortung: Märkte, Talente und Ideen miteinander zu verbinden und das Verständnis sowie die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Kulturen zu fördern.
Betrachtet man Haryono Lims fast drei Jahrzehnte umfassende Laufbahn, so lassen sich einige Leitmotive erkennen, die ihn durchgehend begleitet haben: Internationalität, ingenieurwissenschaftliches Denken, interkulturelle Kommunikation und langfristige Orientierung. Ob am BASF-Stammsitz in Deutschland, in asiatischen Märkten oder auf der Baustelle eines chinesischen Großprojekts – stets verbindet er die analytische Präzision eines Ingenieurs mit der offenen Perspektive eines internationalen Spitzenmanagers.
Sein beruflicher Weg zeigt beispielhaft, welche Möglichkeiten eine fundierte Ingenieurausbildung der TU Clausthal in einer zunehmend globalisierten Industrie eröffnet. Fachliche Exzellenz, internationale Erfahrung und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Karriere.
Von Clausthal auf die globale Industriebühne
Vom Hörsaal in Clausthal an die Spitze eines globalen Chemieunternehmens in Greater China: Der berufliche Weg von Haryono Lim zeigt eindrucksvoll, welche Kraft in ingenieurwissenschaftlicher Bildung, langfristigem Engagement und internationaler Perspektive liegt.
Heute sind immer mehr Clausthaler Alumni in Industrie, Technologie, Energie und Wirtschaft weltweit aktiv. Mit ihrer fachlichen Kompetenz verbinden sie Länder und Kulturen, mit ihrem Innovationsgeist gestalten sie industrielle Entwicklung mit und tragen zugleich dazu bei, die internationale Sichtbarkeit ihrer Alma Mater weiter zu stärken.
Der Weg von Haryono Lim führt von den Hörsälen der TU Clausthal auf eine der wichtigsten Bühnen der internationalen Chemieindustrie. Sein beruflicher Erfolg steht exemplarisch für die internationale Ausrichtung der Universität und die Leistungsfähigkeit ihrer Absolventinnen und Absolventen.
Mit seiner Ernennung zum Chairman und President von BASF Greater China übernimmt Haryono Lim eine Schlüsselrolle an der Schnittstelle zwischen deutscher Industriekompetenz und asiatischen Wachstumsmärkten. Die TU Clausthal und ihre weltweite Alumni-Gemeinschaft gratulieren ihm herzlich zu diesem bedeutenden Karriereschritt und wünschen ihm für seine neue Aufgabe viel Erfolg und Gestaltungskraft.
Haryono Lim auf einen Blick
- Geboren: Oktober 1972 in Indonesien mit familiären Wurzeln in der chinesischen Provinz Guangdong
- Studium: Chemische Verfahrenstechnik, TU Clausthal (1993–1998)
- Abschluss: Dipl.-Ing.
- Seit 1998 bei BASF
- Stationen: Ludwigshafen, Singapur, Osaka, Nanjing, Shanghai, Zhanjiang
- Seit Januar 2024: President Mega Projects Asia
- Aufnahme in die „Clausthaler Köpfe“: 2025
Ab 1. Juli 2026: Chairman und President BASF Greater China
Kontakt:
TU Clausthal
China-Beauftragter des Präsidiums
Vorstandvorsitzender des Vereins Chinesischer Alumni der TU Clausthal (VCAC)
Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Z. Hou
Tel.: +49-5323 722347
E-Mail: hou@tu-clausthal.de
Abb. 1: Haryono Lim, herausragender Alumnus der TU Clausthal und designierter Chairman und President von BASF Greater China