Alumni-Porträt Ⅲ -Dr. AI Zhouping, Präsident von Heraeus Greater China: Dank an die TU Clausthal für den Grundstein meiner Karriere
Dr. AI Zhouping ist Präsident von Heraeus Greater China und bekleidet diverse gesellschaftliche Ämter, darunter als Wirtschaftsberater der Provinzregierung von Shandong, internationaler leitender Wirtschaftsberater der Provinzregierung von Shaanxi, stellvertretender Vorsitzender der Shanghai Foreign Investment Association sowie Gründungsvorsitzender der Minhang District Foreign Investment Association in Shanghai. Neben seiner Promotion an der TU Clausthal hält er einen EMBA der China Europe International Business School (CEIBS).
Studium in Deutschland: Ein Wendepunkt im Leben
Im Jahr 1990 lehrte AI Zhouping bereits seit einigen Jahren an der Northwestern Polytechnical University im chinesischen Xi’an, wo er auch sein Bachelor- und Masterstudium absolviert hatte. Wäre er dem konventionellen Pfad gefolgt, wäre er heute womöglich Universitätsprofessor, der sich ganz auf akademische Forschung und Lehre konzentriert. Doch jenes Jahr brachte einen Wendepunkt: Er wurde vom Bildungsministerium als Kandidat für ein staatlich gefördertes Promotionsprogramm im Ausland ausgewählt. Nach dem Erlernen der deutschen Sprache stieg AI Zhouping 1991 in ein Flugzeug nach Frankfurt und begann seine Reise als Auslandsstudent.
Am Goethe-Institut in Bremen absolvierte AI Zhouping ein intensives Sprachtraining, um sich auf seinen akademischen Weg vorzubereiten. Mit Unterstützung eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) schrieb er sich an der TU Clausthal ein, um zu promovieren. Die 1775 gegründete Universität gehört zu den ältesten technischen Universitäten Deutschlands und ist bekannt für ihre profunde akademische Atmosphäre und ihren rigorosen wissenschaftlichen Geist. „Die Universität verfügt über eine Gruppe angesehener Gelehrter und Professoren und genießt in der Industrie einen hervorragenden Ruf“, merkte Dr. AI an.
Unter der Anleitung des Elektrochemie-Experten Professor Heusler konzentrierte sich AI Zhouping auf die materialwissenschaftliche Forschung. Nach Jahren engagierter Arbeit erlangte er 1996 seinen Doktortitel und war fortan als „Dr. Ai“ bekannt. Diese Erfahrung erweiterte nicht nur sein Wissen, sondern legte auch ein solides Fundament für seine zukünftige Karriere. Durch den interkulturellen Austausch an der Universität knüpfte er tiefe Freundschaften mit anderen chinesischen Studenten, fungierte als Vorsitzender der Studentenvertretung, organisierte akademische Veranstaltungen und gewann tiefe Einblicke in die deutsche Gesellschaft und Kultur.
Auch privat war dies eine bedeutende Zeit: Er und seine Frau begrüßten die Geburt ihrer zwei Kinder – einer Tochter und eines Sohnes. Diese Konstellation bildet das chinesische Schriftzeichen „Hao“ (好, was „gut“ bedeutet) und brachte der Familie große Freude.
Dr. AI erinnert sich: „Dies war eine unvergessliche und wunderbare Erfahrung, die nicht nur meinen Horizont erweitert, sondern auch eine starke Basis für meine weitere berufliche Laufbahn geschaffen hat.“
Karriereentwicklung: Wachstum bei renommierten deutschen Unternehmen
Nach seinem Abschluss stand Dr. AI vor mehreren beruflicher Optionen und entschied sich schließlich für den Einstieg in die Industrie. Er sagte: „Deutschland ist weltweit als Industrienation anerkannt. Das reife Fertigungssystem und die rigorose Industriephilosophie haben mich schon immer fasziniert. Ich freute mich darauf, in einem Unternehmen zu arbeiten, um mein Wissen in der Praxis anzuwenden und gleichzeitig die wertvollen Erfahrungen hinter Deutschlands anhaltendem industriellen Erfolg zu erkunden.“
Im Jahr 1997 trat Dr. AI in die Automobilsparte des deutschen Unternehmens Krupp ein, wo er für die Unterstützung von Projekten in China verantwortlich war und die Essenz deutscher Fertigungs- und Managementphilosophien verinnerlichte. 1998 wechselte er zu Heraeus, einem deutschen Technologiekonzern in Familienbesitz mit über 300-jähriger Geschichte, dessen Schwerpunkte in den Bereichen Edelmetalle & Recycling, Gesundheit, Halbleiter & Elektronik sowie Industrie liegen. Später erhielt er die Gelegenheit, beruflich nach China zurückzukehren.
Im Gegensatz zu vielen „Rückkehrern“, die sich für Großstädte (Tier-1-Cities) entschieden, zog Dr. AI mit seiner Familie nach Zhaoyuan, eine kleine Küstenstadt auf der Shandong-Halbinsel, bekannt als die „Goldhauptstadt“. Dort lebte er über sechs Jahre. Bei der Heraeus (Zhaoyuan) Precious Metal Materials Co., Ltd. fungierte Dr. AI als deutscher Repräsentant und stellvertretender Geschäftsführer, wobei er Produktion, Technologie, Qualität und Vertrieb verantwortete. Er trieb das schnelle Geschäftswachstum voran und positionierte das Unternehmen als Marktführer im chinesischen Sektor für Halbleiter-Bonddrähte.
2005 wurde Dr. AI zum General Manager von Heraeus Industrial Materials (Shanghai) Co., Ltd. befördert. Dieses 1994 gegründete Unternehmen war die erste Niederlassung von Heraeus auf dem chinesischen Festland und ein Flaggschiff, das mehrere wichtige Geschäftsbereiche integrierte. In den folgenden Jahren optimierte er Produktionsprozesse, hob technische Standards an, führte innovative Produkte ein und steigerte die Effizienz sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erheblich, was zu herausragenden Ergebnissen führte.
Im Jahr 2016 wurde Dr. AI zum Präsidenten von Heraeus Greater China befördert, und 2022 übernahm er zusätzlich die Rolle des Co-General Managers von Heraeus Electronics China. Unter seiner Führung etablierte Heraeus sechs Innovationszentren in China, um technologische Durchbrüche voranzutreiben, insbesondere bei Halbleitern und Edelmetallwerkstoffen. Das Unternehmen ergriff aktiv Chancen in den Bereichen künstliche Intelligenz, neue Materialien und Wasserstoffenergie und erzielte so eine größere Wachstumsdynamik. Er setzte sich zudem für die interne digitale Transformation ein und führte fortschrittliche Automatisierungstechnologien ein, um Produktqualität und Produktionseffizienz zu verbessern. Darüber hinaus initiierte er lokale Mitarbeiterschulungsprogramme, um herausragende Führungskräfte und technische Experten zu entwickeln, was die technischen Fähigkeiten und die Innovationskraft stärkte. Zusammenfassend betonte er stets ein tiefes Verständnis und eine schnelle Reaktion auf den lokalen Markt, um sicherzustellen, dass die Produkte und Dienstleistungen von Heraeus ihre führende Position behalten.
Nach fünfzig Jahren Aufbauarbeit im chinesischen Markt ist Heraeus heute in 12 Städten in ganz China vertreten, mit 20 Gesellschaften und 2.800 Mitarbeitern. Der Erfolg von Heraeus beruht auf der Strategie „In China, für China“ – nicht nur lokal zu produzieren, sondern auch industrielle Upgrades durch lokale Innovation und Wertschöpfungsketten-Zusammenarbeit voranzutreiben. Dr. AI fasste dies so zusammen: „Der chinesische Markt ist wie ein ‚Fitnessstudio‘, in dem ausländische Unternehmen, einschließlich Heraeus, kontinuierlich trainieren und sich stärken müssen, um gemeinsam mit dem Markt zu wachsen und zukunftsfähig zu bleiben.“
Rückgabe an die Gesellschaft: Förderung der deutsch-chinesischen Freundschaft und gesellschaftlicher Harmonie
Als ein Talent, das durch die deutsch-chinesische Zusammenarbeit gefördert wurde, legt Dr. AI Zhouping großen Wert auf die wirtschaftliche Kooperation zwischen China und Deutschland und strebt danach, gegenseitiges Vertrauen und kulturellen Austausch zwischen beiden Nationen aufzubauen. Dank der hervorragenden Leistung im chinesischen Markt und der aktiven Kommunikation durch Dr. AI betrachtet die Heraeus-Zentrale China konsequent als einen der wichtigsten Märkte der Gruppe und investiert kontinuierlich in die Beschleunigung der Entwicklung. In den letzten Jahren wurden neue Produktionsstätten und F&E-Zentren in Shenyang, Tangshan, Nanjing, Changshu, Shanghai und anderen Orten errichtet. Seit 2018 nimmt das Unternehmen seit acht Jahren in Folge an der China International Import Expo (CIIE) teil und demonstriert damit sein festes Engagement für den chinesischen Markt.
Über die Jahre hinweg hat Dr. AI als Wirtschaftsberater der Provinzregierung Shandong und als internationaler leitender Wirtschaftsberater der Provinzregierung Shaanxi aktiv Einblicke und Empfehlungen eingebracht. Dabei nutzte er seine internationale Erfahrung, um die lokale wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen und den deutsch-chinesischen Austausch sowie die Zusammenarbeit zu fördern.
Im Jahr 2023 initiierte und gründete Dr. AI die Minhang District Foreign Investment Association in Shanghai und fungiert als deren Gründungsvorsitzender. An der Spitze von über 100 Mitgliedsunternehmen zielt er darauf ab, den Verband zu einer offenen und gleichberechtigten Austauschplattform auszubauen, die ausländisch investierten Unternehmen mehr Möglichkeiten und Ressourcen bietet. Im selben Jahr wurde Dr. AI zum Präsidenten des DAAD-Alumnivereins im Verband der westlichen Rückkehrer (Western Returned Scholars Association, German-Speaking Countries Branch) gewählt, wodurch er weiter als Brücke für den deutsch-chinesischen kulturellen und akademischen Austausch fungiert. Er nimmt auch aktiv an Alumni-Aktivitäten der TU Clausthal teil und trägt zur Entwicklung seiner Alma Mater bei.
In Bezug auf die unternehmerische Verantwortung (Corporate Social Responsibility) setzt sich Dr. AI für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Gemeinden ein, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Kollegen besuchen regelmäßig Pflegeheime, um sich um ältere Menschen und kranke Kinder zu kümmern und ihnen Wärme und Unterstützung zu bieten. Mitarbeiter an verschiedenen Standorten beteiligen sich aktiv an Verschönerungs- und Aufräumaktionen in den umliegenden Gemeinden, um die Umwelt und die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern. Das Unternehmen hat zudem Mittelschüler aus verarmten Gebieten in Westchina empfangen, um ihnen zu helfen, ihren Horizont zu erweitern und etwas über Technologie und industrielle Entwicklung zu lernen. Dr. AI und das Unternehmen leisten wohltätige Hilfe, um benachteiligte Schüler in ihrem zukünftigen Studium zu unterstützen.
An der „Zhaoyuan No. 1 Middle School“ in Shandong richtete das Joint Venture das „Dr. Heraeus Stipendium“ ein, um die Ausbildung herausragender Talente zu ermutigen und zu unterstützen. Diese Initiativen fördern nicht nur positive Beziehungen zwischen dem Unternehmen und der Gemeinschaft, sondern stärken auch das soziale Verantwortungsbewusstsein und den Teamgeist der Mitarbeiter.
Darüber hinaus betont Dr. AI die Integration von Industrie, Lehre und Forschung. Er fördert aktiv die Zusammenarbeit zwischen Heraeus und renommierten Universitäten wie der Fudan-Universität, der Shanghai Jiao Tong Universität, der East China University of Science and Technology und der Nanjing Tech University. Diese Bemühungen zielen darauf ab, akademische Forschung mit industriellen Anwendungen zu verbinden, die Umsetzung innovativer Technologien zu erleichtern, Praktikumsmöglichkeiten bereitzustellen und Universitätsstudenten bei ihrer Entwicklung und Karriereplanung zu helfen.
Fazit
In den letzten drei Jahrzehnten verkörperten Dr. AI Zhoupings Karriereweg und seine gesellschaftlichen Beiträge voll und ganz den pragmatischen und sozial engagierten Geist, der von der TU Clausthal vertreten wird. Seine herausragenden Leistungen bei der Förderung der Unternehmensentwicklung und der deutsch-chinesischen Freundschaft sind eine Quelle großen Stolzes für die Fakultät, die Studierenden und die Alumni der Universität. In Zukunft wird Dr. AI weiterhin die Aktivitäten der TU Clausthal unterstützen, um ihren Einfluss zu vergrößern, und das Heraeus-Team leiten, um die Präsenz auf dem chinesischen Markt auszubauen und so noch mehr zum gesellschaftlichen Fortschritt und zur nachhaltigen Entwicklung beizutragen.
Über Heraeus
Heraeus ist ein weltweit agierender Technologiekonzern in Familienbesitz. Das Unternehmen mit Sitz in Hanau, Deutschland, umfasst 15 operative Gesellschaften, deren Produkte und Dienstleistungen die Geschäftsbereiche Metals & Recycling, Healthcare, Semiconductor & Electronics sowie Industrials abdecken. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete Heraeus einen Umsatz von 29,4 Milliarden Euro und beschäftigte rund 15.200 Mitarbeiter in 40 Ländern. Damit gehört Heraeus zu den zehn größten Familienunternehmen in Deutschland. Die Wurzeln der Gruppe gehen auf eine 1660 in Hanau gegründete Apotheke zurück. Das Unternehmen pflegt eine enge Verbindung zu Universitäten, einschließlich der TU Clausthal.
China ist einer der wichtigsten Märkte für die Heraeus-Gruppe. 1974 gründete Heraeus seine erste Gesellschaft in Hongkong und hat seitdem kontinuierlich investiert und expandiert. Heute betreibt Heraeus 20 Gesellschaften in China mit rund 2.800 Mitarbeitern und bedient eine Reihe internationaler und lokaler Marktführer.