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Zwanzig Jahre Verbundenheit: Alumni des Doppelabschlussprogramms der Sichuan University und der TU Clausthal treffen sich in Guangzhou wieder

Vor zwanzig Jahren machten sie sich von der Sichuan University auf den Weg nach Deutschland. In der kleinen Universitätsstadt Clausthal, mitten im Harz, begann für sie ein prägender Abschnitt ihres Studiums und Lebens. Zwei Jahrzehnte später sind viele von ihnen zu wichtigen Fach- und Führungskräften in den Bereichen Infrastruktur, Schienenverkehr, nachhaltiges Bauen und internationale Ingenieurkooperation herangewachsen. Nun kamen sie in Guangzhou erneut mit einer Delegation ihrer Alma Mater zusammen.

Am Nachmittag und Abend des 16. Mai traf sich die Präsidentin der Technischen Universität Clausthal, Dr.-Ing. Sylvia Schattauer, in Guangzhou mit frühen Alumni des „2+2“-Doppelabschlussprogramms im Bau- und Umweltingenieurwesen, das gemeinsam von der Sichuan University und der TU Clausthal durchgeführt wird. Zur Delegation gehörten außerdem Prof. Dr.-Ing. Michael Zhengmeng Hou, China-Beauftragter der TU Clausthal, Prof. Dr. Leonhard Ganzer, Direktor des Institute of Subsurface Energy Systems, sowie Dr. Karstens.

Unter den teilnehmenden Alumni waren unter anderem Jianxin Yin und Mingming Fang aus dem ersten Jahrgang des Programms sowie Zhi Qiao aus dem zweiten Jahrgang. Nach vielen Jahren kamen ehemalige Kommilitoninnen und Kommilitonen, Lehrende und Studierende wieder zusammen. Sie erinnerten sich an ihre Studienzeit in Chengdu und Clausthal, berichteten von ihren beruflichen Wegen in Industrie, Infrastrukturentwicklung und internationaler Zusammenarbeit und ließen dabei eine herzliche und lebendige Atmosphäre entstehen.

Hinter diesem Wiedersehen steht eine mehr als zwanzigjährige, kontinuierlich gewachsene Partnerschaft zwischen der Sichuan University und der TU Clausthal. Seit dem Besuch des damaligen Präsidenten der Sichuan University, Akademiemitglied Heping Xie, an der TU Clausthal im Jahr 2004 und der Unterzeichnung des „2+2“-Doppelabschlussprogramms im Bau- und Umweltingenieurwesen hat sich die Zusammenarbeit beider Universitäten stetig vertieft. Bis heute wurden mehr als 360 Doppelbachelorabsolventinnen und -absolventen, über 250 Masterabsolventinnen und -absolventen, mehr als 40 Promovierte sowie zahlreiche Postdocs ausgebildet. Darüber hinaus wurden über 200 junge Lehrkräfte bei Aufenthalten in Deutschland unterstützt.

Im Jahr 2021 wurde die Kooperation weiter ausgebaut. Neben dem bestehenden Programm kam ein neues Doppelabschlussprogramm im Bereich Elektrotechnik hinzu, das jährlich 60 Studienanfängerinnen und -anfänger aufnimmt. 2025 schloss der erste Jahrgang dieses neuen Programms erfolgreich ab und zeigte insgesamt sehr gute Leistungen. Auch dies unterstreicht die nachhaltige Wirkung der gemeinsamen Ausbildung von Sichuan University und TU Clausthal im Bereich internationaler Talentförderung.

Vom ersten Jahrgang zu tragenden Kräften der Branche

Das „2+2“-Doppelabschlussprogramm im Bau- und Umweltingenieurwesen ist eines der wichtigsten Ergebnisse der langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Sichuan University und der TU Clausthal. Das Programm folgt einem klaren Ausbildungsmodell: Die Studierenden absolvieren die ersten beiden Jahre an der Sichuan University und setzen ihr Studium anschließend für zwei weitere Jahre an der TU Clausthal in Deutschland fort. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten sie Abschlüsse beider Universitäten.

Der erste Jahrgang begann 2003 sein Studium an der Sichuan University, kam am 18. Oktober 2005 nach Clausthal und erhielt am 18. September 2007 den Doppelabschluss. Für diese frühen Studierenden war Clausthal nicht nur ein Studienort. Die Zeit im Harz wurde für viele von ihnen zu einem wichtigen Ausgangspunkt für eine internationale berufliche Entwicklung.

Jianxin Yin gehörte zu diesem ersten Jahrgang. Von 2003 bis 2005 studierte er an der Sichuan University, von 2005 bis 2007 absolvierte er sein Bachelorstudium an der TU Clausthal und erhielt den Doppelabschluss. Anschließend blieb er in Clausthal, um ein Masterstudium aufzunehmen. Von 2007 bis 2010 studierte und forschte er unter der Betreuung von Prof. Dr.-Ing. Michael Zhengmeng Hou.

Nach seinem Masterabschluss arbeitete Jianxin Yin von 2010 bis 2012 bei der K-UTEC AG Salt Technologies in Deutschland. 2012 kehrte er nach Guangzhou zurück und schloss sich dem Team von Sun International an, wo er bis heute tätig ist. Über die Jahre verband er seine Studien- und Berufserfahrungen in Deutschland mit der Praxis des chinesischen Infrastrukturbaus und der ingenieurtechnischen Innovation. Schritt für Schritt entwickelte er sich zu einem wichtigen Mitglied des Kernteams seines Unternehmens.

Sun International wurde 2005 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Guangzhou. Das Unternehmen wurde von Dr. Junling Sun, einem hochqualifizierten Überseetalent, und dem Strukturbauexperten Akademiemitglied Frieder Seible gemeinsam gegründet. Seit seiner Gründung engagiert sich das Unternehmen in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, industrialisiertes nachhaltiges Bauen und digitale Ingenieurtechnologien. Besondere Schwerpunkte liegen auf vorgefertigten Brückensystemen, Ingenieurberatung, BIM-Technologie und der Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur.

Dr. Junling Sun setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, international fortgeschrittene Ingenieurkonzepte und Technologien in der chinesischen Verkehrsinfrastruktur praktisch anzuwenden. Mitgründer Frieder Seible ist ein deutschstämmiger US-amerikanischer Strukturbauexperte, Mitglied der Ingenieurakademien Chinas, der USA und Australiens sowie Träger des Freundschaftspreises der chinesischen Regierung. Dieser internationale Hintergrund steht in enger Verbindung mit dem Ausbildungsverständnis der TU Clausthal, das ingenieurpraktische Kompetenz und internationale Zusammenarbeit miteinander verbindet.

Eine Generation von Alumni, eine gemeinsame Erinnerung

Auch Mingming Fang, ebenfalls Studentin des ersten Jahrgangs, blickt auf einen ähnlichen Bildungsweg zurück. Von 2003 bis 2005 studierte sie an der Sichuan University, von 2005 bis 2007 absolvierte sie ihr Bachelorstudium an der TU Clausthal und erhielt den Doppelabschluss. Anschließend setzte sie ihr Studium in Clausthal fort und schloss zwischen 2007 und 2010 ihr Masterstudium ab.

Für die Studierenden des ersten Jahrgangs war der Schritt nach Deutschland damals keineswegs einfach. Sprache, Kultur, Fachstudium und Alltagsleben verlangten eine umfassende Neuorientierung. Gerade diese Erfahrung des Lernens zwischen unterschiedlichen Kulturen und Hochschulsystemen eröffnete ihnen jedoch neue Perspektiven. Sie stärkte ihre internationale Sichtweise, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Fähigkeit, in verschiedenen beruflichen und kulturellen Kontexten sicher zu kommunizieren.

Darin liegt einer der wertvollsten Beiträge des Doppelabschlussprogramms der Sichuan University und der TU Clausthal: Es vermittelt nicht nur Fachwissen. Es befähigt junge Menschen auch dazu, sich zwischen verschiedenen Kulturen und ingenieurwissenschaftlichen Systemen sicher zu bewegen und aktiv Brücken zur Welt zu schlagen.

Vom Clausthaler Masterstudium an die Schnittstelle von Schienenverkehr und internationaler Kooperation

Zhi Qiao, der ebenfalls am Treffen in Guangzhou teilnahm, gehört zum zweiten Jahrgang des „2+2“-Doppelabschlussprogramms im Bau- und Umweltingenieurwesen. Von 2004 bis 2006 studierte er an der Sichuan University, von 2006 bis 2008 setzte er sein Bachelorstudium an der TU Clausthal fort und erhielt den Doppelabschluss. Anschließend blieb er in Clausthal für sein Masterstudium, das er von 2008 bis 2011 unter der Betreuung von Prof. Dr.-Ing. Michael Zhengmeng Hou absolvierte. Vor seiner Rückkehr nach China arbeitete er zwei Jahre am Hauptsitz von Herrenknecht in Schwanau.

Heute ist Zhi Qiao bei der Guangzhou Railway Investment Construction Group Co., Ltd. tätig und verantwortet dort Kooperationsaufgaben mit Bezug zu Südostasien. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit großen Bauprojekten, Eisenbahnbau und Untertagebau. In den Bereichen Schienenverkehrsinfrastruktur, Bauverfahren unter komplexen geologischen Bedingungen, Pfahlgründungen, Hohlraumerkundung und vorgefertigte Bautechnologien hat er umfangreiche Erfahrungen gesammelt.

Als Ingenieur im Bereich Infrastruktur und Schienenverkehr war Zhi Qiao an mehreren technischen Entwicklungsprojekten und Patenten beteiligt. Die entsprechenden Technologien betreffen unter anderem Pfahlgründungen unter schwierigen geologischen Bedingungen, die Bewertung der Qualität von Verpressarbeiten in Karsthohlräumen, Hebevorrichtungen für schwere Bauteile sowie die Montage vorgefertigter Infrastrukturelemente.

In Südchina sind unterirdische Karstformationen, weiche Böden sowie komplexe Bauumgebungen an Küsten und Flussufern weit verbreitet. Sie stellen hohe Anforderungen an den Bau von Schienenverkehrssystemen und großformatiger Infrastruktur. Die technischen Entwicklungen, an denen Zhi Qiao beteiligt war, setzen genau an diesen Herausforderungen an: Durch die Kombination verschiedener geophysikalischer Verfahren lässt sich die Qualität von Verpressarbeiten in Hohlräumen umfassender bewerten und die Sicherheit im Untertagebau erhöhen. Durch optimierte Verfahren zur Pfahlgründung und temporären Abstützung kann der Bau unter schwierigen geologischen Bedingungen erleichtert werden. Multifunktionale Hebe- und Montagetechnik sowie vorgefertigte Bauweisen tragen zudem dazu bei, große Bauteile für Eisenbahnen, Brücken und andere Infrastrukturen auch auf räumlich begrenzten Baustellen effizienter zu installieren.

Wiedersehen von Lehrenden und ehemaligen Studierenden: Clausthaler Verbundenheit über zwei Jahrzehnte hinweg

Für Prof. Dr.-Ing. Michael Zhengmeng Hou hatte das Treffen in Guangzhou eine besondere Bedeutung. Sowohl Jianxin Yin als auch Zhi Qiao absolvierten ihr Masterstudium an der TU Clausthal unter seiner Betreuung. Viele Jahre später begegneten sie sich in Guangzhou erneut – nicht mehr nur als Professor und ehemalige Studierende, sondern als Partner, die gemeinsam die deutsch-chinesische Zusammenarbeit, ingenieurtechnische Innovationen und den Austausch unter Alumni voranbringen.

Von den Hörsälen und Laboren in Clausthal bis zu Unternehmen, Schienenverkehrsprojekten und internationalen Ingenieurkooperationen in Guangzhou: Die beruflichen Wege dieser Alumni zeigen anschaulich, welche langfristigen Wirkungen die China-Kooperationen der TU Clausthal entfalten.

Während des Treffens erinnerten sich die Alumni an ihre ersten Tage in Deutschland. Sie sprachen darüber, wie die akademische Strenge der TU Clausthal, die bodenständige Atmosphäre der Stadt und das offene internationale Umfeld ihre berufliche Entwicklung nachhaltig geprägt haben. Für viele chinesische Studierende ist Clausthal eine kleine Universitätsstadt – zugleich aber ein Ort, der unvergessliche Erinnerungen bewahrt und zum Ausgangspunkt für den Weg in die Welt geworden ist.

Präsidentin Schattauer würdigte die herausragenden Leistungen der Alumni in Industrie und Ingenieurpraxis. Sie betonte, dass die beruflichen Erfolge der Absolventinnen und Absolventen nicht nur erfreulich seien, sondern auch den Wert des gemeinsamen Ausbildungsmodells der TU Clausthal mit chinesischen Partneruniversitäten deutlich machten. Eine solide fachliche Ausbildung, interkulturelle Studienerfahrungen und mehrsprachige Kommunikationsfähigkeit befähigten die Absolventinnen und Absolventen, in unterschiedlichen Ländern, Branchen und Kooperationskontexten eine wichtige Rolle zu übernehmen.

Alumni als Brücke zwischen Universität und Welt

Die chinesischen Alumni der TU Clausthal sind heute in Hochschulen, Forschungsinstituten, Energieunternehmen, Verkehrsinfrastruktur, Ingenieurberatung, digitalen Technologien und internationaler Zusammenarbeit tätig. Sie sind nicht nur Zeuginnen und Zeugen der Ausbildungserfolge ihrer Universität, sondern auch wichtige Brücken zwischen ihrer Alma Mater und China, zwischen Wissenschaft und Industrie sowie zwischen Gegenwart und Zukunft.

Das Alumni-Treffen in Guangzhou war daher weit mehr als ein einfaches Wiedersehen. Es zeigte erneut, dass die vor zwanzig Jahren gelegten Samen der Zusammenarbeit in China längst Früchte tragen: Eine Generation hervorragend ausgebildeter Fachkräfte mit internationalem Blick, ingenieurtechnischer Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein ist herangewachsen. Sie wirken in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern weiter und führen auf ihre eigene Weise die enge Verbundenheit zwischen der TU Clausthal und China fort.

Von der Sichuan University nach Clausthal, vom Harz in die Guangdong-Hongkong-Macao Greater Bay Area: Die Zeit hat das Wachstum eines Doppelabschlussprogramms ebenso bezeugt wie den Einsatz und die Erfolge einer ganzen Alumni-Generation.

Auch in Zukunft wird die Clausthaler Alumni-Gemeinschaft ihre Alumni begleiten und unterstützen. Sie wird weitere Geschichten von Clausthaler Absolventinnen und Absolventen erzählen, die gemeinsam mit China und im Rhythmus ihrer Zeit vorangehen. Damit sollen Alumni-Kräfte gebündelt, Austausch und Zusammenarbeit gefördert und der Clausthaler Geist in einem noch weiteren Horizont lebendig gehalten werden.

Anlässlich des bevorstehenden Drachenbootfestes übermittelt die Clausthaler Alumni-Gemeinschaft allen Alumni, Lehrenden, Studierenden sowie Freundinnen und Freunden der TU Clausthal im In- und Ausland ihre herzlichen Grüße: Mögen Gesundheit, Frieden und Erfolg Sie begleiten. Wo auch immer Sie sich befinden – möge die Verbundenheit aus Clausthal stets an Ihrer Seite bleiben.

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Bild 1: Präsidentin Schattauer und die Delegation der TU Clausthal im Austausch mit Clausthaler Alumni in Guangzhou

Bild 2: Prof. Dr.-Ing. Michael Zhengmeng Hou mit Alumnus Jianxin Yin. Prof. Hou betreute Yin während seines Masterstudiums.

Bild 3: Wiedersehen von Lehrenden und ehemaligen Studierenden in Guangzhou – verbunden durch die gemeinsame Clausthaler Zeit